Kampf ums Überleben – Hungersnot in der Sahelzone treibt Familien an ihre Grenzen

Hunger, Krankheiten, Landflucht – dies sind nur einige Herausforderungen, die den Bewohnern der Sahelzone bevorstehen. Die Krise naht. UNICEF  bittet um eure Hilfe. Denn gemeinsam können wir die Hungersnot stoppen!

Chris Tidey war vom 1. bis 8. April für UNICEF unterwegs und verschafft Einblicke in die Situation in Niger:

Als ich durch die Türen der Intensivstation trat, wurde ich von der Fülle an Geschehnissen überflutet – das Geschrei der Kinder schien von allen Seiten zu kommen; das medizinische Personal schwirrte um mich herum, brachte Fütterungsschläuche an und testete die Kinder auf Malaria; die drückende Hitze der Mittagssonne, vor der es kein Entkommen zu geben schien, prallte mit 40 Grad durch das Dach; eine kräftige aromatische Mischung aus Antiseptika und Schweiß hing in der Luft.

Das ist das Centre Regional Nutritionnel Intensif (CRENI) des Dorfes Madarounfa im Südosten von Niger, ein Krankenhaus, welches Kinder unter fünf Jahren mit ernsthafter, akuter Unterernährung und medizinischen Komplikationen behandelt. Ich war schon einmal hier, aber es scheint als hätte sich im Laufe der Zeit so einiges verändert. Abgesehen von der Struktur des Gebäudes und den mir bekannten Gesichtern der Ärzte und Krankenschwestern ist es ein komplett anderer Ort. Das Zentrum ist fast nicht wieder zu erkennen, in meiner Erinnerung sieht es ganz anders aus.

Während ich versuche mich auf die bevorstehenden Einblicke einzustellen, fällt mir auf, was sich verändert hat. Als ich das letzte Mal im Jänner hier war, wurden gerade sechs Kinder wegen akuter Unterernährung behandelt. Heute sind alle 28 Betten belegt und die Patienten sind kränker als zuvor.

Zwei Kinder, eine ausweglose Situation

Aboubakar, 13 Monate, wird im Madarounfa CRENI mit therapeutischer Milch versorgt damit es ihm bald wieder besser geht.

Im Madarounfa CRENI lernte Tidey den 13-monatigen Aboubakar Oumar kennen. Aboubakar litt an akuter Unterernährung, einer Durchfallinfektion und Läsionen im Mundbereich. Als er am 27. März eingeliefert wurde, wog er nur 5,3 Kilogramm. Durch die Einnahme der therapeutischen Milch, F-100, die UNICEF bereitstellt, hat er bereits ein halbes Kilo zugenommen.

Als Chris Tidey mit Aboubakars 21-jährigen Mutter Hassia sprach, erzählte sie: „Aboubakar ist krank, weil wir in unserem Dorf nicht genug zu essen haben. Ich musste 1.000 Franc zahlen um ihn auf einem Motorrad von Nigeria hierher zu bringen.“ Aboubakar ist das jüngste von Hassias vier Kindern, wovon zwei bereits verstorben sind. „Ich bin froh, weil er endlich stärker wird“, sagte sie.

Wegen der zunehmenden Krise, schwindenden Lebensmittelvorräten und steigenden Marktpreisen zieht es immer mehr Familien in die Städte auf der Suche nach Essen und Arbeit. Sogar Kinder werden auf den innerstädtischen Arbeitsmärkten rekrutiert damit diese ihre Familien finanziell unterstützen können.

Der 12-jährige Oumar Soumana zog in die Stadt damit seine Familie nicht hungern muss. Durch den Verkauf von gefrorenen Säften verdient er 10.000 Franc im Monat.

Der 12-jährige Oumar Soumana aus dem Dorf Semana zog vor einigen Monaten mit seiner älteren Schwester und Freunden in die Hauptstadt, Niamey. Tag für Tag steht er auf der Straße und verkauft gefrorenen Saft aus seiner tragbaren Kühlbox an Passanten. Er verdient damit bis zu 10.000 Francs (etwa 15 €) im  Monat. Den Großteil seines Verdienstes schickt er an seine Familie in Semana damit diese nicht hungern muss.

Früher ging ich in meinem Dorf zur Schule. Aber ich musste wegziehen um hier in der Stadt zu arbeiten, damit meine Familie zu Hause essen kann,“ erzählt Oumar. „Ich will wieder zur Schule gehen, weil man mit einer Ausbildung einen guten Job bekommt und die Lebensqualität steigt. Irgendwann möchte ich ein Lehrer sein. Es ist so wichtig, Kindern bei ihrer Ausbildung zu helfen.“

Oumar hofft im August, wenn der Regen kommt und die Situation sich verbessert hat, zu seiner Familie zurückzukehren.

Immer mehr Kinder sind von der Krise betroffen

Die Geschichte von Aboubakar ist kein Einzelfall und die Situation spitzt sich immer mehr zu. Die Zahl der Aufnahmen im Madarounfa CRENI hat sich von Jänner bis März 2012 mehr als verdoppelt. Derzeit werden 177 Kinder behandelt. Was sich hier abspielt ist nur ein Bruchteil der zunehmenden Krise, die sich über den Großteil des Landes und die Sahelzone ausweitet. Dürre, Ernteausfälle und steigende Lebensmittelpreise gefährden das Leben von schätzungsweise einer Million Kinder. Im schlimmsten Fall könnten bis zu 1.400.000 Kinder von der Krise betroffen sein.

Aufeinanderfolgende Dürreperioden, zusammen mit der ansteigenden Unsicherheit im Land treiben Familien an ihre Grenzen. Heute sind etwa 15 Millionen Menschen direkt von der Krise betroffen – in Niger allein sind es 5 Millionen, rund 35 % der Landesbevölkerung. Die Ernte in diesem Jahr reicht bei weitem nicht aus. Gerade einmal 14 % des nationalen jährlichen Bedarfs der Familien kann damit gedeckt werden.

Vor allem für Kinder ist die Situation besorgniserregend.  Sie sind den Krankheiten schutzlos ausgeliefert.

Unerwartete Begleiterscheinungen der Krise

Geringere Produktion in Niger und die daraus folgende hohe Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln treibt die Lebensmittelpreise in den Himmel und gefährdet die Überlebensfähigkeit von tausenden Familien.

Wie Oumar, mussten bereits mehr als 33.000 Kinder landesweit die Schule abbrechen, weil ihre Familien in die Stadt zogen oder weil sie Geld verdienen mussten. Mehr als einer halben Million Kindern steht das gleiche Schicksal bevor. Eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs kann die Entwicklung der Kinder stark beeinträchtigen und raubt ihnen künftige Beschäftigungschancen, die so dringend nötig sind, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen.

Während die Hungersnot immer schlimmer wird, bleiben Ärzte, Krankenschwestern, die Regierung und humanitäre Organisationen zuversichtlich. Mit den notwendigen Mitteln und Vorräten kann Niger diese Krise stoppen, bevor sie sich zu einer nationalen Katastrophe entwickelt.

So hilft UNICEF

  • UNICEF weitet die Versorgung mit angereicherter und therapeutischer Nahrung aus
  • 50 Krankenhäusern werden 85 % der benötigten Vorräte bereitgestellt
  • Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen wird gefördert um das Ausbreiten von Durchfallerkrankungen, Haut- und Atemwegsinfektionen, Malaria und vielen anderen Krankheiten zu vermeiden
  • UNICEF hilft Kindern und Frauen, die wegen der Krise aus ihrer Heimat flüchten mussten
  • UNICEF unterstützt Gesundheitsprogramme um grundlegende Hygiene- und Ernährungspraktiken für Mütter und ihre Kinder zu verbessern

Die Krise ist noch lange nicht vorbei.

Die humanitären Organisationen in Niger haben sich zusammengeschlossen und bitten um Hilfe. Insgesamt werden US $ 229 Millionen benötigt. 40% dieser Mittel konnten bereits aufgebracht werden. UNICEF ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf ihre Anstrengungen zu verstärken und alle notwendigen Mittel zu mobilisieren, damit die Krise abgewendet werden kann.

Noch ist es nicht zu spät, aber wir müssen jetzt handeln!

UNICEF erhöht gemeinsam mit Partnern die Notfallversorgung gegen die Hungerkrise

N’Djamena, Chad, 11.April 2012 – Khadijas 6 Monate altes Kind, Nawal, hat die letzten paar Tage an Erbrechen und Durchfall gelitten. Sie dachte, dass es am Wachstum seiner Zähne lag. Als aber sein Fieber nicht zurückging, brachte sie ihn in eine Klinik in N’Djamena, wo er mit schwer akuter Unterernährung diagnostiziert wurde.

„Wir haben Probleme damit, genug essen zuhause zu haben,“ erklärte Khadija. „Mein Ehemann ist ein Motorrad-Taxifahrer, aber was er verdient reicht nicht mehr aus um die Familie zu ernähren.“

Khadija ist nicht alleine. Hunderte Mütter brachten bereits ihre Kinder in die Notre Dames de Apostles Klinik der Landeshauptstadt.

„Gestern behandelten wir 62 Fälle von starker Unterernährung“, sagte Merceline M’po, eine Krankenschwester und Ernährungsexpertin der Klinik. „und heute haben wir über 70.“

Eine Krise für bereits schwache Kinder

Selbst in einem normalen Jahr hat das Land Chad eines der höchsten Raten von chronischer Unterernährung auf der ganzen Welt. Die Region durchlebt jährlich eine „Dürre-“ oder „Hunger-“Saison und gemäß UNICEF Daten von 2010 litten bereits 15,7 Prozent der Kinder unter 5 Jahren an starker Unterernährung.

Nur 2011 fiel kein Regen.

Der fehlende Regenfall, gepaart mit geringen Ernteerträgen, war ausschlaggebend für eine dramatische Steigerung der Anzahl an unterernährten Kindern – nicht nur in Chad, sondern in der ganzen Sahel Region.

Dieses Jahr wird davon ausgegangen, dass die Dürresaison in Chad von April bis September dauern wird. Dazu kommt, dass die Regierung Chads eine Preissteigerung für Getreide von 22 Cent auf 43 Cent schätzt. Die gestiegenen Kosten beeinflussen nicht nur die Kinder, sondern belasten auch das Gesundheitssystem, welches sich um die Kinder kümmern muss.

„Letztes Jahr kostete uns ein Sack Mehl, um die Kinder mäßig ernähren zu können, 15.000 francs (23€). Dieses Jahr sind es 24.000 (37€)“, sagte M‘po. „Wenn es für uns schon so schwer ist etwas zu kaufen, stell dir vor wie es für Familien ist.“

© UNICEF; 2012

Viele Kinder leiden in Chad an starker Unterernährung

Keine Zeit zu verlieren

Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO und UNICEF haben die Erfahrungen der letztjährigen Hungerkrise am Horn von Afrika genutzt, und haben die Richtlinien für die Bestimmung akuter Unterernährung verbessert, um schneller darauf zu reagieren zu können.

„WHO und Partner haben neue Kriterien eingeführt, die es uns ermöglichen akute Unterernährung bei Kindern unter 5 Jahren früher zu diagnostizieren. Dadurch können wir Kinder früher zu Gesundheitszentren verweisen, sodass sie vor den kritischen Stadien behandelt werden.“ sagte Dr. Yaron Wolman, Chef der Gesundheits- und Ernährungssektion von UNICEF.

UNICEF und seine Partner verschwendeten keine Zeit. In Chad werden über 276 Ernährungszentren von UNICEF unterstützt, auch werden zusätzliche Leistungen zur Verfügung gestellt.

„Wir haben schon seit Monaten gesehen dass dies (Hungerkrise) kommen wird, und wir haben mit Chads Ministerium für Gesundheit sowie anderen Partner zusammengearbeitet um unsere Leistungen, inklusive der Anzahl an  Untersuchungszentren, zu steigern und um uns einen Vorsprung für die ersten paar Monate der Krise zu verschaffen. Aber darüber hinaus brauchen wir internationale Hilfe,“ sagte Dr. Wolman.

Eine Antwort auf die Notsituation ist vorhanden, aber es werden verzweifelt Hilfsmittel benötigt.

Ein Problem mit mehreren Wurzeln

“Diese Krise entstammt aus einer Kombination von vielen Faktoren, der Hauptgrund liegt allerdings in der Ernährungsunsicherheit,“ sagte Roger Sodjinou, ein Beamter des Ernährungsprogramms, der gemeinsam mit UNICEF vor Ort in Chad ist. „Aber es gibt noch andere Gründe, wie der fehlende Zugang zur angemessenen Ernährung von Kleinkindern, schlechter Zugang zur Gesundheitsversorgung und schlechter Zugang zur Hygiene und Gesundheitspflege.“

Um dieses Problem anzugehen, antwortet UNICEF und Partnern mit einem ganzheitlichen Ansatz.

„Die dringenden Bedürfnisse bei Unterernährung anzusprechen, das ist natürlich der Kern und die Basis unserer Arbeit“, sagte Dr. Wolman.

„Aber unsere Antwort beinhaltet auch Gesundheits-, HIV/Aids- und Schutzmaßnahmen, sowie Wasserversorgung und Gesundheitspflege, Bildung, und ein ganzes Paket an wirkungsstarken Maßnahmen, welche hauptsächlich Sterblichkeit und Vorkommnisse im Zusammenhang mit Unterernährung reduzieren werden.“

Laut Schätzungen von UNICEF werden 127.000 tschadische Kinder unter 5 Jahren  in den nächsten 8 Monaten stark akut unterernährt sein. Zusätzliche 300.000 Kinder unter 5 werden an mäßig akuter Unterernährung in derselben Zeitspanne leiden.

„Wenn wir nicht schnell reagieren, wird es noch schlimmer werden“, sagte Frau M’po. „Wir werden mit den Fällen überfordert sein, und Kinder werden sterben.“

Just Going For A Stroll

“Nur einen Spaziergang machen” nennt James Thomas sein Projekt also. Eine glatte Untertreibung des sympathischen Iren. Denn sein “Spaziergang” führt ihn um die halbe Welt, von Edinburgh, Schottland bis nach Dunedin, Neuseeland, wobei letztere Stadt die Antipode ersterer darstellt, genau das andere Ende der Welt also. In Summe macht das 3 Kontinente, 15 Länder und fast 20.000 km.

Dabei geht es ihm aber nicht nur um die Herausforderung, die eine solche Reise darstellt, oder um die Lebenserfahrung, die aus solch einer Unternehmung gewonnen werden kann. Thomas will sich und sein Tun in den Dienst einer Sache stellen, die größer ist als er selbst, sagt er. Deshalb hat er sich entschlossen mit seinem Projekt UNICEF zu unterstützen:

“UNICEF have an international reputation as the world’s leading organisation focusing on children and child rights. Not only do they work directly with families and communities but they also work with governments to change policies and practices that are detrimental to child rights. UNICEF have both a global reach and local presence making their assistance invaluable for both emergency and developmental work. They rely entirely on voluntary donations to fund their work so I hope to contribute in whatever way I can.”
(http://www.justgoingforastroll.com)

So sammelt er Spenden, spricht mit den vielen Menschen, die er auf diesem langen Weg kennen lernt, über UNICEF und nutzt auch das Interesse der Medien an seinem Projekt, um über die Organisation UNICEF und ihre Ziele zu informieren.

Seit Anfang Jänner ist er unterwegs und hat nun schon 2351 km hinter sich gebracht. Mittlerweile hat er Wien erreicht, wo er auch im Büro von UNICEF Österreich zu Besuch war, um über seine Reise zu erzählen.

(c) UNICEF Österreich

Anton, Anna und James (v.l.n.r.), in der Mitte: der Buggy mit dem James anstatt eines Rucksackes unterwegs ist

Bei dieser Gelegenheit erzählte er die  eine oder andere Anekdote und merkte auch an, wie sehr ihm Österreich gefalle (er war vor allem entlang der Donau unterwegs) und dass er gerne wiederkommen möchte, um auch jene Teile zu besuchen, die nicht auf seinem Weg gelegen sind. Zudem schilderte er, wie er in den vielen Gesprächen, die er auf seinem Weg führt, immer wieder über UNICEF  spricht und spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, wie wichtig ihm die Sache ist, in deren Namen er unterwegs ist. Damit, und natürlich mit den gesammelten Spenden, leistet er wichtige Unterstützung für die Arbeit von UNICEF.

Dear James, UNICEF Austria thanks you for all the things you’re doing to support our matter and for the good time we had talking to you. We wish you all the best and a safe and pleasent journey. Godspeed!


Näheres zu James Reise findet Ihr auf seiner Seite: www.justgoingforastroll.com

Immer die neuesten Infos zu seinem Trip gibt es auf Facebook und Twitter:
www.facebook.com/justgoingforastroll

twitter.com/#!/goingforastroll

Im Tschad trifft UNICEF Botschafterin Mia Farrow Flüchtlinge aus Darfur

Goz Beida, Tschad, 4. April 2012 – „Fremde kamen zu uns ins Dorf“, erzählt Aisha Mahamat. Sie spricht langsam, als würde sie die Qual nochmals durchleben. „Sie vergewaltigten die Frauen und töteten die Männer. Sie attackierten die kleinen Dörfer rund um Tandusa. Die Menschen flüchteten nach Tandusa um in dem größten Dorf der Umgebung Schutz zu finden. Doch die Fremden fanden heraus wo sie waren und griffen erneut an. Sie brannten das ganze Dorf nieder.“

Aisha ist in Goz Beida, im Osten vom Tschad, umgeben von Frauen denen Ähnliches widerfahren ist. Sie alle flüchteten aus der Stadt Darfur im Sudan nachdem ihre Dörfer von den Janjaweed-Milizen angegriffen wurden. Sie ließen Alles zurück – ihr Hab und Gut, ihre Familien, ihr Leben. Während eines Besuches im Flüchtlingslager im Februar durfte sich UNICEF Botschafterin Mia Farrow ihre Geschichten anhören. Sie war bereits einige Male im Tschad zu Besuch, mitunter vier Mal als Botschafterin für UNICEF.

Ein bittersüßes Wiedersehen

„Viele Familienmitglieder blieben in der Heimat zurück, doch mittlerweile wurden auch sie aus der Heimat vertrieben“, sagt Aisha. „Sie sind machtlos. Aus diesem Grund können wird nicht mehr zurück.“

Als sie und die Anderen flohen, folgten ihnen die Janjaweed. Auch im Tschad sind die Bewohner dem gleichen Schicksal ausgesetzt. Viele von ihnen schlagen ihr Lager neben denen der Flüchtlinge aus Darfur auf. UNICEF arbeitet schon lange mit Gemeinschaften zusammen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, und versucht ihre Kinder zur registrieren. Während ihres Besuches half Mia Farrow mit, die fertigen Geburtsurkunden auszuteilen. Sie traf auch die Frauen einer von UNICEF unterstützen Hilfsgruppe. Diese betreibt Projekte zur Schneiderarbeit und Seifenherstellung um den Frauen eine Möglichkeit zu geben, selbst Geld zu verdienen.

UNICEF Botschafterin Mia Farrow spricht während ihres Besuches im Flüchtlingslagern mit den Frauen einer UNICEF Hilfsgruppe. Hier wird den Frauen beigebracht, wie sie selbst Geld verdienen können.

Farrow sah während ihrem Besuch auch alte Freunde wieder. Ein bittersüßes Wiedersehen, da ihre Freunde noch immer darauf warten, nach Hause gehen zu können. Sie besuchte Abdullah Idriss Zaid, den sie erstmals im Jahr 2006 kennenlernte nachdem sein Auge von mit einem Messer der Janjaweed herausgeschnitten wurde. Im Medizinischen Zentrum von Goz Beida hielt sie seine Hand bis sein Vater ankam. Auch den neunjährigen Adam Bakhit sah sie wieder. Er verlor beide Arme und ein Auge als er und ein Freund auf eine Granate stießen. Im Djabal Flüchtlingslager fand ein Wiedersehen mit Hawaye statt, einer weiteren alten Bekanntschaft.

„Wir lernten uns 2006 kennen. Sie war gerade erst angekommen, ihr Dorf wurde zerstört und sie war in einer sehr emotionalen Verfassung. Es war eines der schlimmsten Jahre der Gewalt und es kamen immer mehr Menschen aus Darfur an“, erinnert sich Farrow. „Ich bin überglücklich sie wiedergefunden zu haben und sie zu sehen. Trotzdem ist es auch traurig hierher zur kommen. Hier sind viele großartige Frauen, wie man sieht. Sie sehnen sich danach wieder nach Hause gehen zu können und nach Frieden, der ihnen die Rückkehr ermöglichen soll. Ich denke es gibt keinen tiefer sitzenden Wunsch des menschlichen Herzens als sicher zu sein und nach Hause zu gehen.“

UNICEF Botschafterin Mia Farrow spricht mit dem neuenjährigen Bakhit im Koubigou Flüchtlingslager in der Nähe von Goz Beida, Tschad. Bakhit von der Explosion einer Landmine schwer verletzt.

Auf eine bessere Zukunft hoffen

Inmitten all der Unsicherheit schaffen es die Frauen, die Farrow während ihrer Reise traf, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Ihr Hauptanliegen sind ihre Kinder und deren Ausbildung.

„Wir Frauen hier sind Großteils Analphabeten.“, erklärt Aisha. „ Also ist unsere größte Sorge, unser größtes Anliegen, die Ausbildung unserer Kinder. Wir konnten wegen der Gewalt und den Kämpfen nicht zur Schule gehen. Wir hoffen, dass wenigstens unsere Kinder es schaffen und uns in Zukunft unterstützen können.“

Bald muss Farrow von ihren Freunden Abschied nehmen – es ist unklar wann und ob sie sie jemals wieder sehen wird.

 „Wir wissen nicht was passieren würde wenn wir sehen wie eine geliebte Person vergewaltigt oder umgebracht wird und unsere Häuser und Dörfer niedergebrannt werden“, sagt sie. „Wir können nicht sagen oder erahnen ob wir den Mut dieser Frauen, die Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit bei der Sorge um einander und ihre Kinder aufbringen könnten.“

UNICEF-Direktor Anthony Lake in der Sahelzone: Durchbrechen wir den Kreislauf der Katastrophen!

Eine Million Kinder in der Sahelzone sind in Lebensgefahr, die Mangelernährung hat die Grenze zur Katastrophe erreicht. UNICEF-Direktor Anthony Lake besucht seit gestern die betroffene Region und ruft dringend zur Verstärkung aller Hilfsmaßnahmen für Kinder und ihre Familien auf.

„Diese Region befindet sich immer am Rande einer Krise. Familien und Kinder wurden von den Dürren in den Jahren 20120 und 2005 geschwächt“, sagte Anthony Lake gestern im Tschad. „Es ist nun schwerer für die Kinder, wieder auf die Beine zu kommen und andere Bedrohungen wie Polio, Masern, Meningitis und Cholera abzuwehren. Die Menschen in der Sahelzone leben in einer Verkettung unglücklicher Umstände mit einer Million Kinder in Gefahr.“

© UNICEF; 2012

UNICEF hat bereits hunderte Ernährungszentren in die acht Länder der Sahelzone eingerichtet sowie Ernährungsspezialisten mobilisiert. Bereits im Jänner und Februar wurden zehntausende mangelernährte Kinder behandelt. Im Tschad z.B. hat UNICEF bislang 261 Ernährungszentren eingerichtet und plant den Bau von weiteren 260 Zentren während der nächsten beiden Monate. Schon im Dezember 2011 wurde angesichts der nahenden Krise Alarm geschlagen, doch die Reaktion blieb hinter den Bedürfnissen zurück. Am 3. April 2012 starteten daher alle 36 UNICEF-Büros in den Industrieländern eine Kampagne für die Kinder der Sahelzone, auch UNICEF Österreich ruft dringend zu Hilfe auf.

„Hier geht es nicht nur darum, heute Leben zu retten. Es geht auch darum, künftige Katastrophen zu verhindern – mit der richtigen Ernährung und der Verstärkung des Gesundheitssystems“, betont Anthony Lake. „Dies sind Binnenstaaten mit hartem Klima und schwieriger Geographie. Sie brauchen vor und nach einer Krise Hilfe.“

Hungersnot und Flüchtlinge: Rechtzeitige Hilfe von UNICEF

Gemeinsam mit ihrem dreijährigen Enkelsohn Habibi machte sich Nanni Oueled Faghi auf die lange und gefährliche Reise von ihrer Heimatstadt Lere in Mali nach Fassala, einer Grenzstadt in Mauretanien.  Als sie endlich in Mauretanien ankamen war Habibi stark unterernährt, litt unter Durchfall und hatte bereits viel Gewicht verloren.

Nannis Familie ist eine von vielen die aufgrund der jüngsten Gewaltausbrüche im Norden Malis ihre Heimat verlassen mussten. Ganze Gemeinschaften sind dort im Feuergefecht gefangen oder in verwüsteten Gebieten gestrandet. Mit sich trägt Nanni die Angst um das unsichere Schicksal ihres Enkels und anderer Familienmitglieder. Erst in Fassala, einem vorübergehenden Lager für Flüchtlinge aus Mali, welches von der Mauretanischen Regierung und den Vereinigten Nationen errichtet wurde, konnte Habibi angemessen behandelt werden.

„Nachdem das Dorf angegriffen wurde, brachen wir bei Sonnenuntergang auf. Gemeinsam mit anderen Familien verbrachten wir eine schreckliche Nacht in einem alten Laster, geplagt von Kälte und Angst. Zwölf Stunden später standen wir in einer Schlange vor dem Anmeldezentrum in Fassala. Habibi war schon sehr schwach, hatte starken Husten und Durchfall.“

Habibis Zustand verschlechterte sich weiter. Die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln im Lager war noch nicht voll ausgebaut. Die Mauretanische Regierung, UNHCR, UNICEF und andere humanitäre Organisationen reagierten schnell, um den dringendsten Bedürfnissen der Flüchtlinge nachzukommen und lebenswichtige Ressourcen wie Wasserversorgung, Hygiene und Nahrung bereitzustellen.

Dringende und lebensrettende Maßnahmen

Für UNICEF und dessen Partner begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Habibi schwebte mittlerweile in Lebensgefahr. Er wurde mit angereicherter Nahrung versorgt, seine Gesundheit und Genesung verfolgt und dokumentiert. Seine Großmutter Nanni bekam psychologische Betreuung, da sie unter einem Trauma und Blutarmut litt.

Habibi erhält in einem Flüchtlingslager in Mauretanien angereicherte Nahrung von seiner Großmutter Nanni. Als er im Lager ankam war er stark unterernährt doch jetzt hat er das Schlimmste überstanden!

„Habibi wäre ohne angemessene und schnelle Behandlung gestorben“, betont Dr. Ahmed Ould Sid’Ahmed Aida, ein Ernährungsspezialist von UNICEF. „Als wir Habibi das erste Mal trafen, war sein Zustand sehr besorgniserregend. Doch dank intensiver Versorgung und Behandlung ging es ihm schnell wieder besser.“

Über Wochen hinweg schwächte der Ansturm an Flüchtlingen in Mauretanien nicht ab. Bis zu 1000 Flüchtlinge kamen täglich in den Lagern an. Mehr als 40.000 von ihnen wurden kürzlich von Fassala nach M’Béra, in ein neues Lager der Regierung und UNHCR, umgesiedelt. Es befindet sich in einem sichereren Gebiet etwa 50 km von der Grenze entfernt. UNICEF setzt hier auf eine umfassende und integrierte Herangehensweise, die Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene (WASH), Gesundheit, Ernährung und Kommunikation für Entwicklung beinhaltet.

Der Transport notwendiger Vorräte von der Hauptstadt Nouakchott zum Lager in M’Béra dauert drei Tage, wobei 1500 km Wüste durchquert werden müssen – oft  ohne Straßen. Es ist eine schwere und zeitraubende Reise, doch dank dieser Vorräte und den unermüdlichen Anstrengungen der UNICEF MitarbeiterInnen haben Kinder wie Habibi eine Chance aufs Überleben.

Nannis und Habibis Familie ist auf die Hilfe der Mauretanischen Regierung, UNICEF, UNHCR, Agenturen der UN-Länderteams, aller humanitären Akteure und natürlich auf die Großzügigkeit der Gastländer und -gemeinden angewiesen. Leider sind auch die Gastgemeinden gefährdet. Sie sehen sich mit furchtbaren Zuständen, aufgrund der Dürre, schlechter Ernte, vertrockneten Weiden und einer daraus resultierenden Hungersnot, konfrontiert.

Zwei Krisen, eine Lösung

Die Flüchtlingskrise in Mali trifft mit der entstehenden Hungersnot in der Sahelzone zusammen. Von letzterer ist auch ein Großteil des Südens von Mauretanien betroffen – jener Teil des Landes, wo die Flüchtlinge aus Mali ankommen.

Der Ernst der Situation wird durch den wechselseitigen Strom von Menschen zwischen Mauretanien und Mali verdeutlicht. Während die BewohnerInnen von Mali den Konflikten im Norden entkommen wollen, bewegen sich immer mehr MauretanierInnen in Richtung Süden auf der Suche nach Weideland für ihre kranke, aussterbende Viehherde.

Mauretanien hat limitierte Ressourcen und Kapazitäten, um sich solch einer vielschichtigen Krise zu stellen. Mit Mühen versucht das Land den Flüchtlingen, wie auch seinen eigenen Gemeinden, zu helfen, die stark von der Dürre und Nahrungsunsicherheit getroffen wurden.

Da die zwei Krisen in ein und demselben Gebiet geschehen, arbeiten UNICEF und seine Partner an einer koordinierten Lösung. Diese zielt darauf ab eine Verschlechterung der Situation vorzubeugen und die Gemeinden auf potenzielle, zukünftige Schocks vorzubereiten und widerstandsfähiger zu machen.

UNICEF-Vertreterin Lucia Elmi besuch Habibi in Mauretanien. Er erfreut sich heute bester Gesundheit.

„Habibi ist die Personifizierung der Arbeit von UNICEF und unseres humanitären Mandats. Was uns antreibt, ist Leben zu retten“, erklärt Lucia Elmi, eine UNICEF Vertreterin, die Flüchtlingslager besuchte, um die Entwicklung zu überwachen und Hilfe zu mobilisieren.

UNICEF verstärkt die Bemühungen die zwei Krisen zu entschärfen. Die Hilfe muss drastisch verstärkt werden, um weiterhin einen Unterschied zu machen. Um dies zu tun, braucht UNICEF mehr Ressourcen und Partnerschaften, um die Maßnahmen auszubauen, die für Kinder wie Habibi schon so viel bewirkt haben. Mit zusätzlichen Mitteln können UNICEF und seine Partner Tausenden von Kindern im Lager von M’Béra helfen und die Gastgemeinden rund um Bassiknou erhalten gerechten Zugang zu lebensnotwendigen Leistungen, damit sie ihr Leben mit Würde leben und auf einen bessere Zukunft hoffen können.

UNICEF unterstützt gemeinsam mit Partnern die Bildung von Mädchen in Darfur, Sudan

Keiner weiß wirklich genau, woher die Volksschule Qud al Haboob ihren Namen hat. Betrachtet man den Ort – das Gebäude liegt am verstaubten Stadtrand Nyala-  so könnte man vermuten, dass der Name  sich auf die blendenden Hoboob Staubstürme bezieht, die regelmäßig über den Sudan hinwegfegen. Abgesehen vom ungewöhnlichen Namen der Schule ist aber noch etwas anderes sehr auffällig: die Zahl der Mädchen, die den Unterricht besuchen. Denn von 186 Schülern sind 98 weiblich.© UNICEF; 2012

Die 15jährige Habiba Ahmed ist eine davon. Sie ist jetzt in der fünften Klasse, Arabisch und koranische Texte lesen sind ihre Lieblingsfächer, und sie hat den Traum Krankenschwester zu werden. Nicht einmal die spartanischen Zustände in der Schule – keines der Klassenzimmer verfügt über einen Stuhl oder einen Tisch – dämpfen ihren Enthusiasmus.

„Manche meiner Freunde gehen nicht zu Schule“, sagt sie. „Aber Bildung ist sehr wichtig, weil eine ungebildete Person keine Chance im Leben hat.“

Hindernisse für die Bildung von Mädchen

Zu oft werden Mädchen von der Schule ferngehalten, um Tiere zu treiben oder um Hausarbeiten zu verrichten. Andere werden schon in jungen Jahren verheiratet. Die Schülerschaft  im Qud al Haboob ist eine wichtige Ausnahme der Regel.

Die Schuldirektorin Fatma Elnour meint, dass Armut der ausschlaggebende Grund ist für die fehlende Bereitschaft der Eltern, ihre Töchter auszubilden. „Die Schulgebühren sind gering, aber sie sind zu hoch für manche Familien“, erklärte sie.

Konflikte in der Gegend sind ein weiteres Hindernis für die Bildung. Die Unruhen, die 2003 in Darfur stattfanden, zwangen Abaker Suleiman zur qualvollen Entscheidung seine Kinder von der Schule zu nehmen. „Wir hatten einen Viehbestand und waren abhängig davon,“ sagte Herr Suleiman. „Aber dann wurden die Tiere gestohlen und wir standen mit nichts da. Also hatte ich keine Wahl als all meine vier Kinder von der Schule zu nehmen.“

Alamani ist Suleiman’s älteste Tochter, mittlerweile 20 Jahre alt, und ihr ist bewusst, welche Möglichkeiten von ihr genommen wurden. „Wenn ich zuhause bin und andere Mädchen zur Schule gehen sehe, dann macht es mich traurig“, sagte sie. „In diesem Dorf sind mehr Mädchen zuhause als in der Schule.“

Mädchen in die Schule

Um die Zahl der Mädchen in Schulen zu erhöhen, arbeitet UNICEF Hand-in-Hand mit der Regierung und anderen Partnern zusammen. Ziel ist es, die Lernerfahrung und das Schulumfeld kinderfreundlicher zu gestalten – nicht zuletzt durch das Anbieten von Wasser- und Toiletteneinrichtungen.

„Eine Herausforderung sind die Schulgebühren“, sagt UNICEF Bildungsspezialist Idrissa Diarra. „Wir müssen daran arbeiten, wie man die Kosten der Bildung für arme Familien verringern kann, indem man Schulmaterialien zur Verfügung stellt und die Gemeinschaft unterstützt.“

Zu diesem Zweck unterstützt UNICEF das Staatsministerium für Bildung durch den Bau von Lernräumen und die Bereitstellung von Büchern und anderen Lernmaterialien – Kosten, die normalerweise die Eltern übernehmen müssten.

Dadurch, dass mehr Mädchen in der Klasse zu finden sind, profitiert auch Süd-Darfur. Denn wenn jeder Mensch eine Ausbildung geniessen kann, wird auch der Sudan davon einen Vorteil haben und für die enormen Herausforderungen in der Entwicklung bereit sein.

 

UNICEF Botschafterin Mia Farrow setzt sich für Polio Impfungen in afrikanischen Gemeinschaften ein

Mulasi Huesseini schiebt sich auf ihrem Rollstuhl durch den Sand und in das östliche Dorf Kasambondo. Ihre Freunde gehen mit ihren Babys in den Armen neben ihr her. Einer von ihnen trägt auch Frau Huesseinis 4 Monate alten Sohn, Lubumba. Sie gehen alle ins Gesundheitszentrum, wo medizinische Helfer die Kinder gegen verschiedene Krankheiten impfen – inklusive der Krankheit, die Frau Husseini lähmte: Polio

Vor dem Gesundheitszentrum stellen sich alle Mütter an um ihre Kinder abwiegen und impfen zu lassen. Mit zwei schnellen Stichen werden die Kinder gegen Tuberkulose, Diphterie, Keuchhusten und Tetanus immunisiert. Danach wird den weinenden Kindern eine Schluckimpfung gegen Polio verabreicht. Ein besonderes Anliegen von Frau Huesseini ist es, ihren Sohn gegen Polio zu impfen.

„Ich kam gesund und in einem guten Zustand zur Welt“, erklärte sie. „Ich konnte als Kind gehen, aber dann wurde ich krank und meine Beine gefühlslos, ich konnte sie danach nicht mehr benutzen.“

Für Lubumba wünscht sie sich eine andere Zukunft. „Ich brachte mein Kind zur Impfung weil ich nicht will, dass er Polio bekommt so wie ich“, sagte sie.

Seit 1988 gab es weltweit einen Rückgang von 99% an gemeldeten Poliofällen, und im Januar 2012 schaffte es Indien – eines der letzten 4 Polio Standorte der Welt – ein ganzes Jahr lang keinen neuen Fall dieser hemmenden und potentiell tödlichen Krankheit zu melden.

Aber in der demokratischen Republik Kongo (DRK) ist Zahl der Erkrankungen an Polio weiter ansteigend. Auch wenn DRK zwischen 2000 und 2006 Polio-frei war, führten ein schwaches Gesundheitssystem und fehlende Infrastrukturen zur routinemäßigen Immunisierung dazu, dass die Krankheit wieder zum Vorschein kam. 93 neue Fälle wurden letztes Jahr gemeldet.

Als Antwort darauf startete UNICEF gemeinsam mit Partnern eine Polio Kampagne, die das kaputte Gesundheitssystem überwinden soll. Sie zielt darauf ab, Gemeindevertreter und Eltern zu erreichen, die sich bis jetzt gegen eine Impfung gewehrt haben; denn in manchen Gegenden verbieten religiöse Führer den Müttern ihre Kinder zu impfen, da es ihrer Meinung nach gegen den Glauben verstoße.

Mia Farrow unterstützt die Impfung

UNICEF Botschafterin Mia Farrow besuchte das Land um auf die Gefahr von Polio aufmerksam zu machen und ermutigte Eltern, ihre Kinder zu impfen. Für Sie ist die Krankheit auch persönlich von Bedeutung:

„Ich hatte Polio als ich ein Kind war,“ sagte sie. „Ich war eine der Glücklichen, die der Krankheit entkommen konnte ohne einen dauerhaften Schaden zu erleiden. Aber mein Sohn, den ich aus Indien adoptiert habe, ist gelähmt wegen Polio.“

In der Stadt Nyunzu sprach Frau Farrow mit Addo Nkolo, die sich auf Ratschlag ihres Pfarrers entschließ ihre Tochter nicht impfen zu lassen. Eine Entscheidung, die sie bis heute bereut; denn die 3 Jahre junge Lea ist an Polio erkrankt und jetzt gelähmt.

Die Polio Kampagne, die am 28. Februar startete, wird großen Herausforderungen entgegentreten müssen. Aber wenn die Welt Polio-frei werden will, müssen alle Kinder auch in den entlegensten Gebieten, sowie in der demokratischen Republik Kongo, geimpft werden.

„Es ist sehr wichtig, dass die Impfkampagnen hier im großen Stil gestartet werden, denn es gibt Polio hier –  sehr viel Polio,“ sagte Frau Farrow. „Kinder stehen hier sowieso vor einigen Herausforderungen, und eine, die wir eliminieren können, ist Polio.“

 

© UNICEF; 2012

Ein Kind wird gerade gegen Polio geimpft

© UNICEF; 2012

Mia Farrow sprach mit den Einheimischen

Auch in Dorlys’ Dorf hat sich viel getan!

Wie bei Manjo hat sich auch die Situation in Dorlys’ Dorf drastisch verbessert. Als wir sie das letzte Mal besuchten, musste Dorlys mehr als eine Stunde gehen um die nächstgelegene Grundschule zu erreichen. Der Weg war lang und hart – er führte durch verschmutzte Flüsse und gefährliche Wälder.

Viele Eltern fürchteten, dass ihre Kinder den Schulweg nicht heil überlebten. Viele Jahre warteten die Dorfbewohner bereits auf eine eigenen Grundschule, damit die rund 250 Kinder des Dorfes nicht länger kilometerweit wandern müssen.

“Wegen der großen Entfernung gingen viele Kinder nicht in die Schule. Sie blieben Zuhause und halfen ihren Eltern bei der Hausarbeit. Viele Eltern wollten einfach nicht, dass ihre Kinder diese Strecke zur Schule gehen, sie war ihnen nicht sicher genug. Einige Kinder fielen im Fluss hin und verletzten sich”, erklärte ein Vertreter der Elternvereinigung, Mahavogny Leonard.

Vor drei Monaten war es nun endlich soweit: Mit der Hilfe von UNICEF konnte eine neue Schule errichtet werden. Eine Schule, auf die Eltern wie auch Kinder stolz sind.

Ohne die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde wäre der schnelle Bau der Schule nicht möglich gewesen. Einer der Dorfältesten stellte sogar einen Teil seines Grundes für den Bau der Schule zur Verfügung. Nun können in den sechs Klassenzimmern jeweils 40 bis 60 Kinder unterrichtet werden und die Eltern wissen nun, dass ihre Kinder sicher und gesund sind.

Dorlys ist mittlerweile mit der Grundschule fertig und besucht jetzt eine weiterführende Schule. Sie muss zwar immer noch mehr als 45 Minuten gehen, bis sie die neue Schule erreicht hat, doch sie freut sich sehr für ihre kleine Schwester, Doratine. Die neue Schule ist nur wenige Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Die kleine Doratine hat jetzt mehr Zeit um mit ihren Freunden zu spielen.

“Dank UNICEF haben wir jetzt Toiletten für die Mädchen und Buben, Bänke und Tische für die Klassenräume. Doch wir sind bei weitem noch nicht fertig. Uns fehlt noch eine Wasserquelle”, so Mahavogny Leonard.

In der Schule wird den Kindern erklärt, wie wichtig Hygiene und Sauberkeit ist. Doch es ist schwer das Gelernte anzuwenden, wenn sie nicht einmal die Möglichkeit haben ihre Hände zu waschen.

Wir besuchten Doratine in ihrem neuen Klassenzimmer. Die Lehrerin bat sie gerade an die Tafel. Mit einem Stück Kreide in der Hand schrieb sie “ta…te…ti” an die Tafel. Schreiben lernen ist, genauso wie der Bau einer neuen Schule, keine leichte Aufgabe. Aber es ist machbar!

Hier kommst du zum ersten Teil von Dorlys’ Geschichte.

Lenny Kravitz für UNICEF

Am 22. März ist Weltwassertag! Um auf die Not unzähliger Kinder auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen, die täglich ohne sicherer Wasserquelle aufwachsen müssen, setzt sich Sänger, Musikproduzent und Schauspieler Lenny Kravitz dafür ein, gemeinsam mit UNICEF die Situation zu verbessern. Lenny Kravitz richtet sein Wort direkt an euch und bittet um aktive Mithilfe:

 

© UNICEF; 2012Als meine Tochter Zoe noch klein war schrieb ich ein Lied für sie, in dem diese Textzeile vorkam:

„All I want to do when I come into the room is see her smile – when I look into my little girl’s eyes.“

Ich weiß, dass es vielen Eltern auf der ganzen Welt genauso geht. Wahrscheinlich empfindest du dasselbe für dein Kind oder ein Kind, das du besonders gut kennst.

Trotzdem gibt es Millionen Kinder, deren Eltern sie genauso lieben wie ich mein Kind liebe, die nicht die Chance haben froh und gesund aufzuwachsen. Jeden Tag erkranken oder sterben Kinder, weil sie keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser und Sanitäranlagen haben.

Erstaunliche 780 Millionen Menschen Leben ohne Zugang zu sauberem Wasser und rund 2,5 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Bevölkerung aller Entwicklungsländer – haben keine geeigneten sanitären Anlagen.

Genau hier brauchen wir deine Hilfe. Gemeinsam mit UNICEF kannst du helfen, Kindern in über 100 Ländern eine bessere Lebensqualität zu bieten. Durch das Verbessern der Wasserversorgung und Sanitäranlagen in Schulen und Gemeinden und das Fördern sicherer Hygienepraktiken kann viel erreicht werden.

Es fängt alles mit einer Spende an!

Schlechte Wasserversorgung und mangelnde Hygiene hat ernsthafte und weitreichende Auswirkungen auf die Gemeinde und das oft auf unerwartete Weise – vor allem Mädchen sind davon betroffen. Vielen Mädchen entgeht das Recht auf eine Ausbildung weil ihre Schulen keine privaten und hygienischen Sanitäranlagen besitzen. Manche Mädchen sind dazu gezwungen ihre Ausbildung abzubrechen, weil sie den Großteil ihres Tages damit verbringen müssen, Wasser für ihre Familie zu sammeln.

Aber hier endet das Dilemma nicht. Gesundheitssysteme sind überfordert und die nationale Wirtschaft leidet, wenn ganze Gemeinden erkranken.

Es ist ganz simpel. Nachhaltige Entwicklung ist ohne sauberem und sicherem Wasser und Sanitäranlagen in Kombination mit den richtigen Hygienepraktiken unmöglich.

Seit 1990 arbeiten UNICEF, die nationalen Regierungen und Partner zusammen um die Situation zu verbessern. Nun haben 2 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Wasser und 1,8 Milliarden zu Sanitäranlagen. Als führendes Kinderhilfswerk tut UNICEF alles Mögliche um zu helfen – Brunnen graben, Wasserpumpen installieren, Gemeinden dabei helfen Latrinen zu bauen und Familien und ihre Kinder in den Schulen und Gemeinden über lebensrettende Hygienemaßnahmen aufklären.

Als meine Tochter klein war mussten wir nicht darüber nachdenken ob das Wasser, das wir getrunken haben, sauber und sicher war. Sie hatte zuhause und in der Schule ein Badezimmer. So sollte es für jedes Kind sein, egal wo es aufwächst.

Schließt euch mir an und unterstützt UNICEF!

Lenny Kravitz

 

Eines der Millenium-Entwicklungsziele der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es, bis 2015 die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser zu halbieren. Am 6. März 2012 wurde verkündet, dass dieses Ziel bereits vor der gesetzten Deadline erreicht werden konnte. Laut dem Bericht der WHO/UNICEF “Progress on Drinking Water and Sanitation 2012” hatten Ende 2010 bereits 89 % der Weltbevölkerung – 6,1 Milliarden Menschen – Zugang zu aufbereitetem Trinkwasser!

Falls du dich genauer über die aktuelle Situation und die Fortschritte informieren möchtest, findest du hier den Link zum Bericht! (engl.)

Erinnert ihr euch noch an Manjo?

Im September 2011 erzählten wir euch die Geschichte des 13-jährigen Manjos. Er musste damals bereits zum dritten Mal die zweite Klasse wiederholen weil es in seinem Dorf in Madagaskar keine 3. Schulstufe gab. Trotz allem entschied er sich dazu weiter immer wieder dieselbe Schulstufe zu besuchen. So konnte er Jüngere unterstützen und es war besser als garnicht lernen zu können.

Wie UNICEF half

Heute sieht die Situation ganz anders aus. Durch das Engagement der Dorfbewohner und der Unterstützung von UNICEF konnte in den letzten Jahren viel erreicht werden.

Im Zuge der „Schulen für Afrika“-Initative versucht UNICEF gemeinsam mit den Gemeinden und Regierungen kinderfreundliche Schulen aufzubauen – auch in Madagaskar. Das Ziel ist es innerhalb von zwei Jahren 1.000 neue Schulen zu eröffnen, die 50 Kinder pro Schulstufe aufnehmen können. Den Schulen werden unter anderem Bücher, Schreib- und Unterrichtsmaterialien, Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen zur Verfügung gestellt. Es soll jeder die Chance auf eine vollständige Ausbildung erhalten.

 

In der Schule hat Manjo schon lange gelernt: Händewaschen ist wichtig! Dank Manjo wissen das jetzt auch seine Freunde und Familie.

 Eigeninitiative der Gemeinde

Doch Manjos Lehrer und die anderen Gemeindemitglieder saßen nicht bloß herum und warteten tatenlos auf Hilfe. Noch bevor wir überhaupt mit dem Aufbau der Schule angefangen hatten, rekrutierte die Gemeinde eine zweite Lehrerin, die nun einen 3. Jahrgang unterrichtet. Jetzt gibt es zwei Lehrer, die 154 Schüler unterrichten und Manjo ist endlich in der 3. Klasse!

Auch sein Bruder Damy und seine Schwester Vaha gehen mittlerweile fleißig zur Schule. Ihre Mutter hat in der Zwischenzeit erkannt, wie wichtig eine Ausbildung für das weitere Leben ist.

Die Unterstützung von „Schulen für Afrika“ gibt Manjo, Damy, Vaha und ihren Freunden die Möglichkeit ihre Ausbildung fortzusetzen und auch abzuschließen.

Endlich ist Manjo in der 3. Klasse! Er lernt jetzt Neues und nimmt eifrig am Unterricht teil.

Eltern wie Vaha müssen nicht länger Angst davor haben, dass die Kinder im Dorf ohne Ausbildung aufwachsen müssen. Manjo ist damit seinem Traum, einmal Polizist zu werden um, einen großen Schritt näher gekommen.

„Ich bin mir nicht ganz sicher wie viele Jahre ich in die Schule gehen müsste um Polizist zu werden. Vielleicht sechs Jahre? Ich weiß es nicht. Aber was auch immer ich mache, ich weiß ich kann es nur erreichen wenn ich weiter lerne“, erklärt Manjo.

Manjo als Polizist verkleidet. Es ist sein Traum die Schule fertig zu machen um später einmal Polizist werden zu können.

Die Stadt-Land Problematik in Bosnien und Herzegowina

Gornja Tuzla ist eine kleine ländliche Gemeinschaft  im Osten Bosnien und Herzegowinas. 10km davon entfernt liegt die Industriestadt Tuzla. Zwar mag die Entfernung dieser beiden Orte nicht sehr groß sein, umso größer ist aber die soziale Kluft. Denn in vielen ländlichen Gebieten herrscht akute Armutsgefahr. Das liegt vor allem an fehlenden sozialen Einrichtungen und Arbeitsstellen. Auch Rasema ist davon betroffen:

Rasema lebt mit ihrer Familie in dem besagten Ort Gornja Tuzla. Seit sie vor © UNICEF; 201212 Jahren die Mittelschule abgeschlossen hat, ist sie arbeitslos. Auch ihr Mann findet nur phasenweise einen Job. Bis vor 3 Jahren lebten sie noch gemeinsam mit ihren beiden Kindern in einem Haus ohne fließenden Wasser oder Badezimmer. Als ihrem Schwiegervater die Erlaubnis erteilt wurde ein kleines Haus auf staatlichem Grund zu bauen, haben sie dieses mit einem Kredit und den Ersparnissen der Eltern finanziert. Jetzt lebt die Familie nur noch davon immer neue, noch höhere Kredite aufzunehmen um die Vorigen bezahlen zu können.

Schicksale wie jenes von Rasema sind keine Einzelfälle.  Ganze Familien in Gornja Tuzla haben teilweise ihren Job verloren. Müttern im Speziellen fehlt es an Hilfseinrichtungen wie Kindergärten, welche oft am Land nicht existieren. Dadurch wird die Suche nach einer bezahlten Arbeit für sie erschwert. Hinzu kommt, dass Kindern keine richtige Ausbildung angeboten werden kann. „Ich versuche meine Buben zu unterrichten, aber es ist nicht genug. Sie müssen sich anständig sozialisieren und entwickeln“, sagte Rasema.

UNICEF hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Kluft zwischen Stadt und Land zu verringern. Das neue Projekt „Gleiche Möglichkeiten für frühkindliche Entwicklung in ländlichen Gebieten in Bosnien und Herzegowina“ soll soziale, medizinische und bildende Dienstleistungen anbieten und für ein höheres Einkommen für Familien sorgen.  Gornja Tuzla wurde dabei als eines von zwei Pilotprojekten ausgewählt. „Es war das erste Mal, dass jemand zu uns gekommen ist“, sagte Rasema sichtlich begeistert, „Es war eine tolle Erfahrung, dass jemand Interesse an unserem Leben zeigt.“

© UNICEF; 2012Der Ort wird mit einem so genannten IECD Zentrum ausgestattet sowie einer Fachkraft, die Müttern dabei helfen soll frühkindliche Störungen zu entdecken. Gleichzeitig soll auch auf die Wichtigkeit von (Geschlechter) Gleichheit aufmerksam gemacht werden. Weiters wird gemeinsam mit dem Kooperationspartner Zadruzni Savez Federacije BiH eine Pflanzschule errichtet. Dies ist eine Schule, an der man lernt wie man gewinnbringende Pflanzen anbaut und sie verkauft. So wird den Einwohnern und besonders den Frauen nicht nur eine Arbeit angeboten, sondern auch Selbstständigkeit vermittelt.

Durch das Projekt wird Rasemas Familie sowie vielen anderen eine neue Perspektive geboten. Maida Mehmedovic, Projekt Koordinatorin vor Ort meint dazu: „Wir versuchen das Leben in unserer Gemeinde zu verbessern und das Gefühl der Kluft zwischen Stadt und Land zu verringern. Vor allem, damit die Kinder den Unterschied nicht spüren.“

Sauberes Wasser für Alle!

In Österreich müssen wir uns selten um Trinkwasser sorgen machen. Ein Griff zum Wasserhahn und schon fließt das frische Wasser aus der Leitung. Doch nicht überall hat man solch ein Glück. In vielen Entwicklungsländern besteht ein Mangel an sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Dadurch übertragen sich Krankheiten, worunter vor allem die kleinsten und schwächsten der Gemeinschaft leiden müssen – die Kinder.

UNICEF startet deshalb regelmäßig in verschiedensten Ländern Aktionen zum Aufbau und zur Rekonstruktion von Wasserversorgungssystemen, Kläranlagen und Wasserpumpen um auch den ärmsten Menschen auf der Welt den Zugang zu Wasser zu ermöglichen.

In vielen Regionen in Simbabwe und im Tschad hat diese Herangehensweise bereits funktioniert. Heute haben mehr Bewohner Zugang zu sauberem Wasser und die Kinder sind gesünder. Alle sind stolz auf das, was in so kurzer Zeit erreicht werden konnte.

Um diese Erfolge zu feiern und etwas näher auf die Probleme der Länder einzugehen möchten wir gerne diese zwei Geschichten mit euch teilen:

Simbabwe – Verbesserung der Wasserversorgung zum Schutz der Gesundheit der Kinder

Die Bewohner von Shurugwi, Simbabwe, genießen heute sicheres und sauberes Trinkwasser.

Shurugwi, Simbabwe, 16. Februar 2012 – Wie die restlichen Frauen in ihrem Dorf fürchtete Emily Butau den Morgen. Denn sobald die Sonne aufging war klar, jetzt musste Wasser gesucht werden. Täglich schlossen sich die Frauen zusammen um sich auf eine bis zu sechs Kilometer lange Suche nach Wasser zu begeben. Das Wasser der Straßenhändler konnten sich viele Familien schon lange nicht mehr leisten. Oft wurde auf Wasser aus unsicheren Quellen zurückgegriffen um den Tag zu überstehen.

Emily Butau und ihre dreijährige Tochter Ropafadzo auf der Suche nach Wasser.

Dass dies Auswirkungen auf das Familienleben hatte war klar. Die Frauen im Dorf konnten keine Arbeit suchen, dafür blieb neben der Wassersuche einfach keine Zeit. Für die Bewohner von Simbabwe sah es schlecht aus. 18 % der Bevölkerung erhielten kein sauberes Trinkwasser und 56 % hatten keinen Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen.

2011 konnte UNICEF mit der Hilfe von Organisationen und Partnern aus Großbritannien, Australien und der Europäischen Union ein Projekt zur Rekonstruktion des Wasserversorgungsystems von Shurugwi starten. Mit rund 1 Million US $ wurden die Kläranlagen und Filtermaschinen der Wasserwerke erneuert und repariert. Mit dem Geld konnten auch zwei neue Wasserpumpen installiert werden und das Wasser wird gechlort.

Durch diese Initiative konnte die Versorgung der Haushalte mit sauberem Wasser um 70 % gesteigert werden. Das Ziel – Verbreitung von Cholera und anderen durch das Wasser übertragbare Krankheiten zu minimieren – scheint heute näher als je zuvor. Wie Emily Butau sind auch die restlichen Bewohner der Stadt glücklich. Das Wasser hat noch nie so sauber geschmeckt!

Tschad – sauberes Wasser bewahrt Familien vor tödlichen Krankheiten

N’Djamena, Tschad, 17. Februar 2012 – Auch die Bewohner der Hauptstadt des Tschads blicken auf finstere Zeiten zurück. In den ärmsten Nachbarschaften, wo der Wasserbedarf am höchsten war, gab es keinen Zugang zum Wasserversorgungssystem des Landes. Die Menschen der Stadt bekamen ihr Wasser aus seichten Brunnen oder mussten ihr hart verdientes Geld an Wasserhändler abgeben. Oft konnten mit dem Geld nur zwei Kanister Wasser gekauft werden. Doch diese Menge reichte bei weitem nicht aus um die Familie zu versorgen. Zum Waschen und Putzen wurde oft auf schmutziges Wasser zurückgegriffen.

In den armen Nachbarschaften in N'Djamena ist die Wasserversorgung sehr schlecht. Im Zuge eines UNICEF-Projektes wurden sieben neue solarbetriebene Wasserpumpen installiert.

Regelmäßig gibt es Ausbrüche von Krankheiten wie Polio, Meningitis und Cholera.  Allein im letzten Jahr erkrankten 17.000 Menschen an Cholera. Nur durch das Bereitstellen von Sanitäranlagen und sauberem Wasser gibt es für die Bewohner des Tschads eine Chance dem Teufelskreis zu entkommen.

Letztes Jahr fing UNICEF an ein Wasserversorgungssystem in N’Djamena aufzubauen. Die Brunnen in den Nachbarschaften sind heute 60 Meter tief und damit tiefer als früher. Dadurch liefern sie auch reineres Wasser. Zusätzlich wurden in jedem Viertel solarbetriebene Wasserpumpen installiert die jeweils zwei Wasserstellen versorgen. Nun gelangen die Bewohner heute jederzeit an sauberes und sicheres Wasser!

Mittlerweile gibt es sieben Wasserstellen in den Nachbarschaften um N’Djamena die von den jeweiligen Gemeinschaften verwaltet werden. Für die Haushalte ist das Wasser kostenlos um eine ausgeglichene und faire Versorgung zu gewährleisten. Wasserhändler zahlen einen Mindestbetrag welcher dann für die Instandhaltung des Wasserversorgungssystems und das Chloren des Wassers benutzt wird. So gewinnen alle!

UNICEF bei den YOG 2012

Eine überklebte UNICEF Flagge, haufenweise leere Kartons und MitarbeiterInnen, die von Ballons umzingelt sind – Genau so lässt sich der Informationsstand von UNICEF am letzten Tag der Jugend-Winterspiele 2012 in Innsbruck beschreiben. Was jedoch den Anschein eines Streichs hatte, ist in Wahrheit ein Zeichen des vollen Erfolges.

Vom 13. bis 22. Jänner 2012 pilgerten mehr als 1000 Athleten und Athletinnen aus über 60 Nationen nach Innsbruck, um an den ersten olympischen Jugendwinterspielen teilzunehmen. Es war ein besonderes Ereignis – Nicht nur weil es zum ersten Mal stattgefunden hat, sondern auch weil Bildung und Kultur eine wesentliche Rolle spielten. Mit speziellen Programmen und Workshops wurde versucht, die persönliche Entwicklung der Jugendlichen zu fördern sowie olympische Werte zu vermitteln. Auch die heimische Jugend wurde eingeladen an den Programmen mitzumachen, um selbst interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Gemeinsam mit dem IOC (dem Internationalen Olympischen Komitee) nutzte UNICEF daher die Chance, vor Ort auf die Rechte von Kindern aufmerksam zu machen. Durch so genannte Drop-In Aktivitäten konnten Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen, während Themen wie Schutz, Nicht-Diskriminierung oder Gewalt behandelt wurden.

So war es möglich, auf Ballons mit einem eigenen Spruch oder einem persönlichen Symbol ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen; mit T-shirts wurde die Wichtigkeit von Bildung thematisiert; Wünsche an die Welt konnte man auf ein kleines Stück Papier schreiben und auf eine große Flagge von UNICEF hängen; etc. Zusätzlich gab es einen Workshop mit dem Kinderrechte-Spiel – Ziel war es durch zeichnen oder durch pantomimische Darstellung einen Begriff zu erklären, der sich mit den Rechten der Kinder befasst.

Dass das Interesse groß war, zeigen die Bilder der Veranstaltung – dutzende Ballons hängen von dem kleinen Stand, das UNICEF Logo der Flagge ist kaum wiederzuerkennen, die T-shirts wurden alle bedruckt und an Kinder weitergegeben.

Begeistert zeigte sich ebenfalls UNICEF Vertreter Alexander Schwentner über die Geschehnisse: „Es ist ermutigend zu sehen, dass die meisten Athletinnen und Athleten sich über die Grundrechte der Kinder im Klaren sind. Aber sie benötigen Aufklärung im Hinblick auf einige Themen, z.B. das Recht auf Schutz, so dass sie für sich selbst, ihre Familie und ihre Freunde ihre Stimme erheben können“

Auch wenn die “Youth Olympic Games 2012″  schon vorbei sind wird sich UNICEF weiterhin für die Rechte von Kindern einsetzen, um eine kinderfreundliche Welt zu schaffen.

© UNICEF; 2012

Die UNICEF Flagge, überklebt mit den Wünschen der Kinder an die Welt

© UNICEF; 2012

Der UNICEF Stand bot fast keinen Platz mehr für Ballons

© UNICEF; 2012

Hier spielte eine Gruppe das Kinderrechte-Spiel

© UNICEF; 2012

"Education is cool" - So lautet der Spruch einer Teilnehmerin, den sie sich auf ihr T-shirt drucken ließ

Hilfe für schwer arbeitende Kinder in Stadtgebieten

Saima, 7 Jahre, lebt mit ihrer Familie in einem der ärmsten Slums von Bangladesch und muss stundenlang arbeiten, damit sie ihrer Familie finanziell helfen kann.

Noch vor wenigen Monaten verbrachte Saima ihren Alltag damit, Müllhaufen in einem der ärmsten Slums von Bangladesch nach alten Fetzen zu durchsuchen. Hatte sie erst mal genügende Fetzen gesammelt, brachte sie diese zu einem örtlichen Ladeninhaber, der ihr das Bündel für wenige Cents abkaufte. Die Arbeit war ihr einziges Klassenzimmer.

„Ich schnitt mir oft beim Suchen meine Beine und Hände auf“, erzählt Saima, während sie auf ihre bloßen Füße hinunter blickt, „Es war eine schmerzhafte Arbeit.“

Saima muss in einem der ärmsten Slums von Bangladesch Müllhaufen durchsuchen, um Fetzen zu sammeln. Diese kann sie dann für wenige Cents verkaufen.

Da 41 % der Bevölkerung weniger als 1 US $ am Tag verdienen, sind rund 8 Millionen Kindern dazu gezwungen arbeiten zu gehen. Diese Kinder nehmen oft unterbezahlte und gefährliche Jobs an, um ihre Familien zu unterstützen. Eine Ausbildung ist für viele ein weit entfernter Traum.

Hoffnung für Saima

Vor kurzem erzählte ein Sozialarbeiter Saima von einem  Zentrum, welches von UNICEF finanziert wird. Das Zentrum bietet eine kinderfreundliches Umfeld für die schwer arbeitenden gefährdeten Kinder.

Alle Kinder in diesem Zentrum sind in der gleichen Situation wie Saima. Jedes dieser schwer erreichbaren Kinder arbeitet in der Stadt unter gefährlichen und  lebensbedrohlichen Bedingungen – einige wohnen sogar auf der Straße.

Eine fürsorgliche Lehrerin bringt den Kindern die wichtigsten Grundkenntnisse bei.

Viele der Kinder im Zentrum, darunter auch Saima, sind anfangs still und zaghaft. Doch mit Hilfe der geduldigen und erfahrenen Lehrer wird versucht, auf jedes Kind einzugehen. Im Unterricht werden Saima Grundkenntnisse in Bangla, Mathematik und Sozialwissenschaften vermittelt. Sie kann hier ihre Alltagskompetenzen ausweiten, lernt über Gesundheitsversorgung und Kinderrechte. Für die wöchentlichen Untersuchungen steht dem Zentrum ein Sanitäter zur Verfügung.

Als wir Saima fragten, was ihr im Zentrum am meisten Freude bereitet antwortete sie: „In unserer Schule mag ich das Lesen und Schreiben. Tanzen und Singen macht mir auch sehr viel Spaß.“

Das Zentrum versucht auf die speziellen Bedürfnisse und Situationen der ärmeren Familien einzugehen. Der Unterricht wird deshalb an 6 Tagen in der Woche für 2,5 Stunden angeboten, damit die Kinder weiterhin ihre Familie unterstützen können und dabei trotzdem ihr Recht auf eine Ausbildung wahrnehmen können.

Heute kann Saima zur Schule gehen.

Im Zentrum treffen sich die Sozialarbeiter regelmäßig mit den Eltern um sie auf bessere Verdienstmöglichkeiten hinzuweisen und ihre erzieherischen Fähigkeiten zu verbessern.

Saimas Eltern zählen zu den 41 % der Bevölkerung, die mit weniger als 1 US $ am Tag überleben müssen. Der Vater verdient nur wenig als Träger, und das auch nur, wenn er eine Arbeit bekommen kann. Er wartet beim Wasser, wo die Boote anlegen, und bietet den örtlichen Ladeninhabern seine Hilfe beim Tragen von schweren Gütern an. Saimas Mutter sammelt Plastikflaschen, die später recycelt werden. Die beiden erhielten fast keine Ausbildung und können weder lesen noch schreiben.

Der erste Schritt zu einer besseren Zukunft

Rund 8 Millionen Kinder sind in der gleichen Situation wie Saima. Im kinderfreundlichen Zentrum von UNICEF wird diesen gefährdeten Kindern geholfen.

Das Zentrum ist der erste Schritt die Kinder davon abzubringen, gefährliche und oft ausbeuterische Vollzeit-Jobs anzunehmen. Außerdem ist das Zentrum strategisch neben Schulen der Regierung positioniert, um einen weiteren Anreiz zum Übergang zu einer ordentlichen Ausbildung zu bieten.

UNICEF und Partner helfen Familien, die unter der Dürre leiden

Gawounawa, Niger, 27. Jänner 2012 – Es ist das Ende der Erntezeit. Halima Isaka sitzt mit ihrer 10-monatigen Tochter am Rande ihres Feldes und beobachtet ihren Mann dabei, wie er einen trockenen Haufen Hirsestängel auf den Karren lädt, der von einem Ochsen gezogen wird. Wieder einmal war die Ernte enttäuschend.

Dieses Jahr war die Ernte so schlecht, dass sie nicht einmal für drei Monate ausreichen wird.“, sagt sie. „Seit drei Jahren gab es in unserem Gebiet nur wenig Regenfall. Früher hat es oft geregnet. Mittlerweile ist es schon das dritte Jahr in Folge in dem wir nicht genug Essen haben um unsere Familie zu versorgen.

Wie der Großteil des Landes ist diese ausgedörrte Region am Rande der Sahara sehr anfällig für Dürrephasen. In den letzten Jahren hat sich die Situation nur verschlechtert. Heute sind Millionen von Menschen in ganz Niger mit grober Unterernährung aufgrund der Essensknappheit konfrontiert.

Es ist Teil einer Hungerkrise, die sich über die ganze Region Sahel erstreckt – das Ergebnis von Dürre, unzureichenden Ernten und steigenden Lebensmittelpreisen. Sechs Millionen Menschen in Niger und Abermillionen mehr in Mali, Mauretanien und im Tschad sind von dieser Krise betroffen. Auch Gemeinden in Burkina Faso, Senegal, im Norden von Kamerun und Nigeria sind gefährdet. Von viele Regierungen wurde bereits der Ausnahmezustand ausgerufen.

Hilfe dringend notwendig

Nachdem sich ihr Mann mit dem Ochsen und der wertvollen Ladung an Getreide auf dem Weg nach Hause macht, fällt Frau Isaka auf die Knie – ein Sieb in der Hand – und versucht das beim Verladen auf den Boden gefallene Getreide zusammenzukratzen.

Eine Frau erhält im Dorf von Gawounawa, Niger, eine Barzahlung, als Teil eines neue Programmes von UNICEF und seinen Partnern. Das Geld kommt denen zugute, die es am dringendstend benötigen, um Lebensmittel zu kaufen.

Ich versuche so viele gefallene Körner zu sammeln wie nur möglich“ erklärt sie. Mit sieben hungrigen Kindern, die gefüttert werden müssen, und sechs Monaten bis zur nächsten Ernte, zählt jedes einzelne Korn.

Ich konnte fast zwei volle Schüsseln Hirse sammeln. Das reicht für ein gemeinsames Essen.“, sagt sie, nachdem sie mit dem Sammeln fertig ist.

Aber die Familie von Frau Isaka wird bald Hilfe erhalten, und das in Form von Barzahlungen.

Dies ist Teil eines wag haften Notfallinterventions-Programms von UNICEF, der US-Behörde für Internationale Entwicklung (USAID), der Abteilung der Europäischen Gemeinschaft für Humanitäre Hilfe (ECHO), der Regierung und anderen Partnern, damit mittellose Familien im Bezirk Magaria mit monatlichen Zuschüssen Lebensmittel kaufen können.

Mütter unterstützen

Mütter mit Kindern zwischen sechs und 23 Monaten erhielten als Teil des „blanket feeding“-Programms, bereits monatliche Rationen an angereicherter Nahrung für ihre Kinder – doch es war nicht genug.

Es fiel uns auf, dass die Nahrung, die eigentlich für die Kinder gedacht war, um diese vor Hunger und Unterernährung zu schützen, im Endeffekt von der gesamten Familie aufgebraucht wurde.“, sagt Hamid Diourro, der Regionaldirektor des Gesundheitsministeriums von Niger. „Die Regierung sah es als Notwendigkeit an, den Familien Barzuschüsse zu leisten, um die Essensrationen der Kleinkinder zu schützen.“

Mehr als 20.000 gefährdete Haushalte in Magaria wurden für das Zuschuss-Programm ausgewählt, welches im September 2011 startete. Jede Mutter erhält monatlich 20.000 CFA (etwa 40 US $) und das für drei Monate. „Save the Children“, eine UNICEF-Partnerorganisation, verteilt diese Zuschüsse und arbeitet eng mit Vertretern der Gemeinden zusammen um sicherzustellen, dass den ärmsten und gefährdetsten Familien geholfen werden kann.

Dieser Mütter „kämpfen damit Essen für ihre Kinder zu finden, um sie zu ernähren“ sagt Hélene Kouyaté von UNICEF, „wir würden diese Mütter gerne dabei unterstützen.“

Ein Lebensretter

Halima Isaka hält ihre 10-monatige Tochter im Arm, während sie das Essen zubereitet. Um die Mahlzeit zu ergänzen benützt sie Blätter, die sie in den Büschen gesammelt hat.

Am Tag nach der Auszahlung der Zuschüsse fühlt sich Frau Isaka sichtlich wohler.

Bevor wir dieses Geld erhalten haben, mussten wir in die Büsche gehen um Blätter zu sammeln um die Familie zu füttern“, sagt sie, während sie das Mittagessen für die Familie vorbereitet. „Wenn wir Glück hatten, konnten wir die Blätter mit etwas Hirsesuppe verkochen, doch wir gingen trotzdem hungrig zu Bett.

UNICEF hofft auf die Unterstützung der Spender, damit das Programm 2012 auch auf andere Regionen in Niger ausgeweitet werden kann. Dies würde nicht nur den Familien zugutekommen, sondern auch die Regierung dabei unterstützen, in Zukunft besser auf Hungerskrisen reagieren zu können.

Alle Partner, die sich an diesem Projekt beteiligt haben und zu seinem Erfolg beigetragen haben können diese Hilfe auch in anderen Ländern anbieten“, so Herr Diourro.

Wie erst kürzlich in einem Bericht von Olivier De Schutter, einem UN Sonderberichterstatter, festgestellt wurde, hängt chronische Mangelernährung leider nicht nur mit unzureichenden Lebensmitteln zusammen – schlechte Essgewohnheiten, mangelhafter Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung sind ein großer Teil des Problems. Um langfristig Erfolg zu haben, müssen Programme gestartet werden, die die Grundprobleme der chronischen Mangelernährung ansprechen, wie Armut und Ungleichheit.

In der Zwischenzeit erreichen die Zuschüsse diejenigen, dies es sie am dringendsten benötigen, wie Frau Isaka und ihre Familie.

Dieses Projekt“, sagt sie, „ ist ein Lebensretter.

Bangladesch: Mit gutem Beispiel vorangehen

Auch in Asien möchte UNICEF Kindern eine Chance geben in die Schule gehen zu können. Mit dem Projekt “Schulen für Asien” will UNICEF genau das erreichen.

Für viele Kinder ist eine Verbesserung des Unterrichts der Grundstein für eine bessere Zukunft.

Eingebettet in fruchtbaren Feldern und schattigen Wasserlöchern im landwirtschaftlichen Moulvibazar befindet sich die, von der Regierung geführte, Amtail Volkschule für Jungen . Diese kleine Schule scheint nicht außergewöhnlicher als die vielen anderen Schulen welche die Landschaft Bangladeschis zieren, doch spiegeln das gepflegte Schulareal und die erst kürzlich gestrichenen Fassaden die besonderen Anstrengungen, ein exzellentes Lehrumfeld zu bieten, wider.

Im Mittelpunkt des Schulgeschehens steht die Direktorin Shashwati Das, eine leidenschaftliche Frau deren Vater und Großvater zuvor schon Direktoren waren – ihr liegt das Unterrichten wahrhaft im Blut. 2001, nach einer schriftlichen und mündlichen Prüfung und extensiven Bewerbungsgesprächen, wurde Shashwati von UNICEF dazu auserkoren Lehrer im gesamten Gebiet auf das Fach Mathematik zu spezialisieren.

10 Tage lang unterzog sich Shashwati dem Kurs „Lehrer unterrichten“ im heimischen Upazila Informationszentrum. Dieser Kurs beruht auf einem Lehrplan, der von UNICEF gemeinsam mit der Abteilung für Grundschulbildung, der nationalen Akademie für Grundschulbildung und dem nationalen Ausschuss für Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien entwickelt wurde.

Im neuen Unterrichtskonzept wird "interaktiver Unterricht" GROSS geschrieben!

Besonders interessant fand sie die spezielle Bedeutung die den interaktiven Unterrichtsmethoden zukam. „Das brachte mich dazu über die Rolle der Lehrer zu denken. Früher war die Idee des „Krug und Häferl“-Unterrichts (engl. „jug and mug“) weit verbreitet, wobei Lehrer, die den vollen Krug darstellten, das Wissen praktisch in die Schüler, die leeren Häferl, „gossen“. Aber heutzutage versuchen wir Kinder in den Mittelpunkt des Lernprozesses zu stellen. Sie gewinnen durch das Anwenden des Gelernten an Wissen und wir sind bloß hier um ihnen dabei zu helfen.

In ihrer Klasse zeigt der Kurs Wirkung. Um der 4. Klasse Grundkenntnisse der Geometrie zu vermitteln verwendet Shashwati bunte Strohhalme, steckt diese zusammen und benützt unterschiedliche Farben um die Unterschiede zwischen Innen- und Außenwinkeln zu veranschaulichen. In Gruppen versuchen die Kinder dann, die ungleichwinkeligen, gleichschenkligen, gleichseitigen und rechtwinkeligen Dreiecke nachzubauen um das Gelernte anzuwenden. Nach erfolgreicher Fertigstellung der Dreiecke wird applaudiert, um das Lernen zu fördern.

Für den neunjährigen Saiful war diese Unterrichtsstunde ein großer Erfolg. „Manchmal, wenn die Lehrerin zu lange über eine Sache spricht, fange ich an über andere Dinge nachzudenken.“ gesteht er schüchtern. „Aber wenn wir selbst Dreiecke machen finde ich es viel interessanter.“

Gemeinsam versuchen die Kinder das eben Gelernte anzuwenden.

Mashrukra Rakhman, Vorsitzender des Schulmanagement Komitees sieht den Umschwung vom Auswendiglernen hin zum interaktiven Unterricht als Schlüssel zur besseren Ausbildung. „Die Qualität des Unterrichts wird immer besser und besser. Letztes Jahr erhielten zwei unserer Schüler Stipendien für eine renommierte weiterführende Schule und von Jahr zu Jahr wollen immer mehr Kinder hierher kommen.“

Mashrukra merkt auch an, das sich in den letzten Jahren immer mehr Eltern freiwillig melden um die Schule zu unterstützen. Er hat keinen Zweifel an dem Grund für diese Entwicklung. „Wir sind stolz auf Shashwati. Sie ist die Beste im Gebiet und unterrichtet an unserer Schule. Dadurch wollen wir alle härter arbeiten.”

Weiter Informationen zum Projekt “Schulen für Asien” findest du hier.

Caradeux: 2 Jahre nach dem Erbeben in Haiti

Im März 2011 in Haiti bleibt Unterernährung noch immer eine große Bedrohung für die Gesundheit von Kindern. Ungefähr 25% der Kinder haben ein niedriges Geburtsgewicht und schätzungsweise 22% der Kinder unter 5 Jahren leiden an mäßiger bis schwerer Unterernährung.

Bis zu 300.000 Haitianische Kinder leiden an chronischer Unterernährung und die Hälfte der Todesfälle von Kindern im Land sind Folgen von Unterernährung. Verschlimmert wird die Situation durch die Nachwirkungen des Erbebens vom 12.01.2010 –  Eine Katastrophe, die 220.000 Menschen tötete und mehr als eine Million Menschen obdachlos machte.

UNICEF arbeitet deshalb mit einer Vielzahl an Partnern zusammen, um den Zugang zu Ernährungsprogrammen zu verstärken, besonders in Camps für jene, die immer noch heimatlos sind. Wichtig dabei ist, Eltern über die richtige Ernährung für ihre Kinder aufzuklären und therapeutisches Essen an Personen in Not zu verteilen.

Eine solche Einrichtung ist das „Baby Zelt“ in Caradeux, einem Flüchtlingslager in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Das Zelt wird  von der NGO Union des Amis Socio-Culturels d’Action en Development (UNASCAD), einem UNICEF Partner geleitet. „Baby Zelte“ sind sichere Zufluchtsorte für Frauen mit kleinen Kindern, wo sie über die richtige Versorgung von Kleinkindern lernen können und ärztliche Betreuung bekommen:

Eine Gesundheitshelferin spricht mit Frauen und deren Kindern in einem „Baby Zelt“

Ein Baby weint als es in einer Waage abgewogen wird

UNICEF Ernährungsberaterin Leslie Koo misst die Größe eines Babys mit einem Maßbrett

Eine Gesundheitshelferin misst den Armumfang eines kleinen Mädchens um Wachstum und Ernährung zu kontrollieren

Die eineinhalbjährige Cherline Noel ist unterernährt und wartet auf ihre medizinische Behandlung in einem "Baby Zelt" …

...Kurz darauf geniesst sie schon einen hoch proteinhaltigen Keks

Janisthans Weg zu Genesung und Gesundheit

Mai 2007: 2,9 kg / Juli 2007: 2,8 kg / September 2008: 5,2 kg / Dezember 2008: 6,2 kg / Mai 2009: 7,3 kg. Das sind keine normalen Werte. Diese Werte repräsentieren Janisthans Weg von einem 6 monatigen stark unterernährten Baby zu Genesung und Gesundheit.

An einem erstickend heißen Tag im Dorf von Urumbirai im Distrikt Jaffna erreicht Sasikela gerade das Haus von Janisthans Familie. Sasikela ist Hebamme und wurde von UNICEF als Teil eines Rehabilitationsprogramms für unterernährte Kinder für Notfälle ausgebildet. Das Haus ist klein, es ist mehr eine kleine Hütte, ein Patchwork aus Schlamm, Wellblech, vergitterten Fenstern und Papptapete. Janisthans Familie flüchtete 1990 wie viele andere aus ihrer Heimat in Tellipallai. Wenn sein Vater einen Job als Arbeiter bekommt, verdient er LKR 500,- (etwa 5 US-Dollar). Aber es ist kein garantiertes Einkommen. Janisthan, der mittlerweile schon 3 Jahre alt ist, richtet mit großen Augen seinen Blick misstrauisch auf Sasikela und eine Freiwillige. Diese ist von UNICEF ausgebildet, um auf die Gesundheit der Kinder in ländlichen Regionen zu achten.

Hilfe für Janisthan und seinen kleinen Bruder

Sasikela und die Freiwillige betreten das düstere Innere der Hütte und entpacken ihren Medizinkoffer. Während die Freiwillige eine Babywaage aufhängt, durchblättert Sasikela das Buch mit den Aufzeichnungen über Janisthans Gesundheit. Vor zweieinhalb Jahren wurde der Mutter von Janisthan ein Vorrat an essfertiger therapeutische Nahrung  für ihren stark unterernährten Sohn mitgegeben. Nach 6 Monaten war Janisthan bereit für die Folgebehandlung mit UNIMIX – ein hoch proteinhaltiger Brei aus Mais, Soya und Milchpulver. Außerdem ging Janisthans Mutter zur Ernährungsberatung. Dort wurde sie von einem Gesundheitsteam über die Risiken und Vermeidung von Unterernährung aufgeklärt.

Die Freiwillige hat gerade Janisthans jüngeren Bruder gewogen, der erst 15 Monate alt ist. Er hat seit Sasikelas letztem Besuch vor 4 Wochen an Gewicht verloren. Damals wog er 5 kg, heute nur mehr 4,6 kg.
Er hatte die letzten 4 Tage Fieber und hat den Appetit verloren“ , sagt Janisthans Mutter besorgt.
Sasikela holt eine weitere Packung therapeutischer Nahrung aus ihrem Medizinkoffer. Sie rät Janisthans Mutter das kranke Kind sofort zu füttern.

10% aller Babys in Jaffna werden schon untergewichtig geboren

Mit einem Body Mass Index (BMI) von 15 ist Janisthans Mutter selbst nur noch Haut und Knochen. Als sie Janisthan auf die Welt brachte wog er 2,3 kg. Er war einer der 10% aller Babys in Jaffna die schon untergewichtig geboren werden.
Janisthans Mutter war während ihrer letzten beiden Schwangerschaften anämisch und wurde auf eine Kur aus Eisen, Vitamin C, Calcium, einem proteinreichem Mais-Soya-Mix und angereicherter Milch gesetzt. Erst nach einem Jahr verbesserte sich ihr gesundheitlicher Zustand. Von den 53 schwangeren Frauen, die Sasikela gerade im Urumbirai Gesundheitszentrum betreut, haben 17 einen niedrigen BMI. In Jaffna haben 22 % der schwangeren Frauen einen BMI von weniger als 18,5.

UNICEF unterstützt die Ausbildung von Hebammen und Freiwilligen

Sasikelas Ausbildung und die Ausbildung von Freiwilligen werden von UNICEF unterstützt. Sie vermitteln eingehende Grundkenntnisse zum Beispiel über die Versorgung schwangerer Mütter, Geburtshilfe, der Versorgung von Neugeborenen, dem Stillen, der Ernährung von Säuglingen, die Behandlung akuter Unterernährung und Routineimmunisierungen.
Obwohl die mobilen Gesundheitsbetreuer gut ausgebildet sind, gibt es einen Mangel an Hebammen weswegen das Gesundheitszentrum auf Freiwillige zurückgreifen muss. „Meine Schwester ist jetzt auch eine Freiwillige. Wir Hebammen sind derzeit auf sie angewiesen, bis die nächsten Hebammen ihre Ausbildung absolviert haben“ erklärt Sasikela.

Adventkalender: 24. Dezember

Frage: Um wen kümmert sich UNICEF?

Antwort: Um die notleidensten Kinder der Welt

UNICEF wurde 1946 gegründet um den Kindern im zerstörten Nachkriegseuropa zu helfen. Zunächst wurden den Not leidenden Kindern in Europa, auch hier in Österreich geholfen. Nachdem die schlimmste Not in Europa vorüber war, gerieten die ärmsten Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika ins Blickfeld. Heute ist UNICEF in rund 160 Ländern tätig.

UNICEF richtet seine Hilfsprogramme in den Entwicklungsländern an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien aus: medizinische Versorgung, gesunde Ernährung, sauberes Wasser, Bildung für alle und Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.

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